Hand-Theremin — Musik aus der Luft
Der Besucher hebt die Hand in die Luft, und ein Ton erklingt. Die Hand steigt, der Ton steigt mit. Innerhalb weniger Sekunden entsteht eine Melodie — ohne Knopf, ohne Bildschirm, ohne Anleitung.
Das Theremin, 1920 erfunden, ist das einzige Instrument, das ohne Berührung gespielt wird; die Hände bleiben frei in der Luft. Es war das erste elektronische Instrument und gilt als schwer zu beherrschen. Für das Museum habe ich daraus eine Station entwickelt: Eine Kamera erfasst die Handbewegungen, die linke Hand steuert die Tonhöhe, die rechte die Lautstärke.
Ein Besucher ohne musikalische Vorbildung soll binnen Sekunden ein hörbares Ergebnis erzielen, ohne dass das Instrument so weit vereinfacht wird, dass es für Musiker uninteressant wird. Dazu die Anforderungen des Museumsbetriebs: barrierefrei für Kinder und für Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik, durchgehend in Betrieb, ohne Betreuung.
Drei Entscheidungen bestimmen die Station.
Erstens die Berührungslosigkeit. Die Bedienung besteht aus einer Körperbewegung und muss nicht erlernt werden. Zugleich gibt es dadurch keine Verschleißteile.
Zweitens eine Führung im Hintergrund, die nur zusammenpassende Töne zulässt. Ein Fehlgriff ist damit ausgeschlossen; das gesicherte Ergebnis ist die Voraussetzung dafür, dass Besucher überhaupt beginnen. Wer mehr will, schaltet die Führung im Musiker-Modus ab und spielt mit allen Zwischentönen — anspruchsvoller, aber ausdrucksstärker.
Drittens fünf aufeinander aufbauende Ebenen, von der animierten Begrüßung über freies Spiel mit einfachen Tonleitern bis zu Harmonielehre und voller Kontrolle. Kind und Musikschüler steigen an unterschiedlichen Stellen ein. Die verfügbaren Tonleitern reichen von Dur und Moll über Pentatonik bis zur arabischen Hijaz.
Gestaltet ist die Station von der voraussetzungsärmsten Bewegung her: Eine Hand in der Luft genügt, Fingergeschicklichkeit ist nicht erforderlich.
Besucher probieren die Station ohne Anleitung aus; Kinder spielen, ohne etwas gelesen zu haben, Musiker schalten die Hilfe ab und nutzen die Zwischentöne. Der Betrieb läuft selbsttätig: Bei Stille kehrt die Station in den Begrüßungszustand zurück.
Für Interessierte
Der Aufwand steckt im unauffälligen Betrieb. Ohne Berührung gibt es weder Verschleiß noch bewegliche Teile. Die Station reguliert sich selbst, kehrt bei Inaktivität in den Ausgangszustand zurück und lässt sich aus der Ferne überwachen. Eine Selbstkalibrierung passt sie ohne technische Vorkenntnisse an unterschiedlich große Besucher an; ein mehrtägiger Dauerlauf hat den unterbrechungsfreien Betrieb bestätigt. Da die Station vollständig selbst entwickelt ist, lässt sie sich an geänderte Anforderungen und künftige Ausstellungen anpassen — anders als eine zugekaufte, geschlossene Lösung.